Vergangene Zeiten werden lebendig

Obergünzburger Pfarrarchiv

Besichtigung der Archive fand großes Interesse – Spannende Erkenntnisse

Auf Einladung der Arbeitskreise Heimatkunde und Lokalgeschichte Obergünzburg begann der „Historische Stammtisch“ des Monats April mit der Besichtigung des Pfarr- wie auch des Gemeindearchives. Das Interesse aus der Bevölkerung war riesengroß und mit Spannung lauschten die Gäste den Ausführungen des ehemaligen Kirchenpflegers und Betreuer des Pfarrarchives Hermann Knauer. Obwohl die ersten gesammelten Dokumente aus den Jahren 1490 stammen entstand das Pfarrarchiv in einem Anbau des Pfarramtes erst im Jahre 1994. Seinerzeit schuf Knauer die räumlichen Voraussetzungen für die in mehreren offenen Regalen und in Schränken auf verschiedenen kirchlichen Dachböden gelagerten und verstaubten Schriftstücke, Verkündbücher, Niederschriften und Zeitungsberichten aus sieben Jahrhunderten. Ingrid Weiß vom damaligen Heimatlerverein ordnete und übersetzte in mühevoller Arbeit über viele Monate die meist in altdeutscher Handschrift überlieferten Dokumente. Übergeordnete Schriftstücke wurden in dem Verfahren dann ordnungsgemäß im Diözesanarchiv des Bistums Augsburg archiviert.

Heute wird Geschichte von Morgen geschrieben

Die Bedeutung  und Wichtigkeit der Archivpflege  vermittelte der ehemalige Kirchenpfleger den Besuchern anhand  früherer Niederschriften über das Schulwesen, der Krankenhaus – und Altenheimgeschichte, sowie der ambulanten Kleinkinder-Kranken-und Armenpflege bis in die  heutige Zeit, in der gravierende Umwälzungen vor allem im Sozialwesen, aber auch in der Industrie und im Handwerk festzustellen sind. Die heutigen gesammelten Niederschriften und Zeitungsberichte über das örtliche Geschehen sind der Grundstock für die Geschichtsschreibung von morgen, so der Archivbetreuer in seinem eindringlichen Aufruf  an die Bürger, den Archiven interessante Schriftstücke über Begebenheiten und Veranstaltungen im Ort, Zeitdokumente wie Briefe, Fotos oder auch Sterbebildchen zur Geschichtsfortschreibung zu überlassen

Archivalien im Gemeindearchiv werden digitalisiert

Im Gegensatz zum Pfarrarchiv ist das Gemeindearchiv wesentlich umfangreicher und doch auch übersichtlicher geordnet. Gemeindearchivar Peter Pfister mit seiner Frau sichern über das Archivierungsprogramm „Faust Entry“ alle relevanten Dokumente, sodass die digitalisierten Archivalien im Computer schnell und sicher zu finden sind. Deshalb heißt das Motiv der Archivmitarbeiter „finden statt suchen“. Beim Rundgang durch die  sechs Archivräume zeigte Peter Pfister den interessierten Besuchern den umfangreichen Bestand von Urkunden und Kopien von Schreiben aus der Zeit, als Obergünzburg noch zum Stift Kempten gehörten und die Bewohner als Bürger angesprochen wurden. Dieses Privileg hatten nur die Kemptener und die Obergünzburger. Auch der Übergang von der Herrschaft des Stiftes zu Bayern ist in den Verordnungen und Anordnungen der neuen bayerischen Regierung sehr gut dokumentiert.

 

Das Gemeindearchiv hat bereits eine umfangreiche Literatursammlung von Büchern und Artikeln über die Geschichte von Obergünzburg und der weiteren Umgebung (ehemalige Pflege Liebenthann). Diese Literatur steht für alle Interessierten im Archiv zur Einsichtnahme und zum Studieren bereit.

Obergünzburger Pfarrarchiv
Dokumente aus sieben Jahrhunderten werden im Obergünzburger Pfarrarchiv verwahrt.
Quelle & Copyright: Hermann Knauer