Vom Obergünzburger Marktbrunnen und seinem „Mohrenbuala“

Verkündhaus

Es war einmal in einem Brunnen, mitten im Ort eine Mariensäule. So beginnt die Geschichte des Marktbrunnens in Obergünzburg. Um die historische Aufarbeitung des Themas kümmerte sich der Arbeitskreis Heimatkunde. Mit Schautafeln und persönlicher Auskunft präsentierten die Mitglieder das Ergebnis Ihrer Recherche beim vergangenen Günztal-Marktfest.

Bereits auf der Obergünzburger Landtafel aus dem frühen 18. Jahrhundert (Amtslandtafel, Stift Kempten, Hauptstaatsarchiv München) ist an der Stelle ein Brunnen abgebildet. Den ersten, noch viereckigen Brunnen zierte eine Säule mit der ursprünglichen Marienfigur.

Die Säkularisation beendete die Zugehörigkeit Obergünzburgs zum Stift Kempten, damit sollte ab 1813 ein eigenes Wappen eingeführt werden. Das Reichsheroldsamt empfahl ein Siegel aus dem Jahr 1541, das als Wappen unter anderem einen einen dunklen Menschenkopf zeigte. Aus Unkenntnis wurde dieser fälschlicherweise als Mohr gedeutet.

Eine Herleitung von einem, nahe Ronsberg gewesenem Geschlecht „derer zu Mohrenstetten“ schienen plausibel. Erst 1950 wurde durch ein wiederentdecktes Wappenblatt der kemptischen Niedergerichte der Irrtum festgestellt: Die abgebildete Person ist keine Geringere als die Gemahlin Karls des Großen und Gönnerin des Klosters Kempten: Hildegard. Seit der unverzüglich vorgenommenen Korrektur hat Obergünzburg ein historisch korrektes Wappen und ein liebenswürdiges Wahrzeichen.

Wohl in den Jahren 1816 – 1820 wurde die Marienfigur gegen die „In-Figur“ eines hölzernes „Moarabuala“ getauscht. 1921 wurde die Statue gegen ein Exemplar aus Betonguss ausgetauscht. Die ausführenden Handwerker des

Mohrenbuala
Mohrenbuala 2007

Ortes, Steinmetzmeister Ferdinand Rudolph, Josef Beck und Georg Mair schufen damit eine Pionierleistung, da dieses Verfahren erst 1910 in Berlin für die darstellende Kunst entwickelt worden war.

2007 wurde Bube Nummero 2, der unter starken Frostschäden gelitten hatte, durch ein Mohrenbuala aus Bronze ersetzt. Seit 150 Jahren plätschert das Wasser in das achteckige, gusseiserne Brunnenbassin zu Füßen des 3. Mohrenbualas, das parallel zum Ortswappen ein Eigenleben als Wahrzeichen Obergünzburgs führt.

 

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Quelle und Copyright: Michael Brust pagefactory